Neues zu Bewerber Screening im Internet

Thomas Müller vom Tages-Anzeiger hat einen Beitrag zur Zulässigkeit von Bewerber-Screening im Internet publiziert. Er referenziert dabei den Jusletter Beitrag von Dr. iur. Urs Egli und die Besprechung von Nils Güggi (mit kritischem Kommentar von mir).

Der Beitrag zielt in die Richtung, dass Facebook & Co. bei der Bearbeitung von Bewerber-Dossiers und im Bewerbungsgespräch nicht genutzt werden dürfen. Leider hat mir niemand schlüssig darlegen können, warum öffentliche Äusserungen auf sozialen Plattformen nicht öffentlich sein sollen, wenn die betreffende Person selber diese ins Internet gestellt hat (siehe mein Kommentar bei Güggi). Zum Vergleich eine Behauptung: Wenn ich ein Interview gebe, das in einer Zeitung abgedruckt wird, so wird niemand in Frage stellen, dass ich in einem Bewerbungsgespräch damit konfrontiert werden kann.

Auch über Google kann man öffentliche Informationen über eine Person zusammentragen und nutzen. Auch dieser Aspekt wird m.E. zu wenig berücksichtigt. Die Frage, ob man Google zum Bewerber-Screening nutzen darf, scheint niemand verneinen zu wollen. Liegt das ev. daran, dass sich die Google-Suche etwas früher etabliert und man sich schon mehr an diese neue Reailtät gewöhnt hat als ans Web 2.0 mit den sozialen Netzwerken?

Ich gebe zu, dass sich viele Leute zu wenig mit den Privacy-Einstellungen auf den genannten Portalen beschäftigen und sich oft nicht bewusst sind, dass gewisse Äusserungen auch negative Folgen haben können. Letztlich ist es aber trotzdem ihr Verantwortungsbereich. Es gehört zur neuen Realität des Web 2.0, dass der Junge von nebenan plötzlich Journalist wird, wenn er einen entsprechenden Beitrag publiziert, den alle Leute lesen können. Er tut seine Meinung öffentlich kund.

Um dies bewusster zu machen müsste man Privacy Regeln und Warnungen für Portalanbieter durchsetzen und die Kinder schon in der Schule auf die Problematik vorbereiten.


Screening von Stellenbewerbern im Internet

Mit den neuen Möglichkeiten, sich auf sozialen Netzwerken zu präsentieren, stellen sich auch neue rechtliche Fragen. Besonders interessant ist dabei der Zusammenhang zwischen angestrebtem Arbeitsverhältnis und Privatsphäre im Bewerbungsverfahren:

  • Darf man Informationen von Facebook, Xing oder anderen sozialen Netzwerken im Bewerbungsprozess benutzen?
  • Wo sind die Grenzen?

Auch 10vor10 hat sich diesem Thema schon gewidmet und über einen Workshop berichtet an dem ich den Teil „Grenzen der Legalität“ vermittelt habe.

Nun ist auch ein juristischer Aufsatz erschienen, der sich u.a. diesem Thema widmet und der betreffend diesem Aspekt bereits kontrovers diskutiert wird.


Facebook XING und Datenschutz

Die P3B führt zum Thema Workshops für Personalverantwortliche durch. Die Leute lernen, wie sie das Internet nutzen können, um noch mehr Informationen über Bewerber zusammenzutragen.

Dabei gibt es auch rechtliche Aspekte rund um Datenschutz. Diesen Teil decke jeweils ich als IT-Jurist ab.

Das Thema schien auch das Fernsehen zu interessieren. Beim einen Workshop war den ganzen Tag eine Kamera von 10 vor 10 dabei und wir wurden auch alle interviewt. Leider fehlten bei der Ausstrahlung einige Interviews, darunter auch das von mir.

Auch P3B ist nur halb zufrieden

Hier noch der Link zum Beitrag.


Privatsphäre von Tauschbörsenbenutzern geschützt

Das Bundesgericht hat entschieden: Die Logistep AG muss ihre Tätigkeit einstellen. Das Geschäftsmodell von Logistep beruhte darauf, IP Adressen von Tauschbörsenbenutzern zu sammeln und Urheberrechtsinhabern zur Verfügung zu stellen. Die Urheberrechteinhaber konnten mit diesen Informationen Strafverfahren einleiten mit dem einzigen Ziel, die Namen hinter den Adressen ausfindig zu machen (in Strafverfahren müssen Provider diese rausgeben). Damit waren die Urheberrechteinhaber in der Lage, in zivilrechtlichen Verfahren Schadenersatz von den Nutzern zu fordern.

Dass IP Adressen Personendaten sind und dass die Arbeit von Logistep dem Zweckbindungs- und dem Erkennbarkeitsprinzip widerspricht war schon von der Vorinstanz (Bundesverwaltungsgericht) erkannt worden. Das Bundesgericht hat nun meines Wissens erstmals festgestellt, dass IP Adressen Personendaten sind. Und es hat die Interessen der Betroffenen am Datenschutz höher gewichtet als die Interessen der Urheberrechtsinhaber.

http://www.news.admin.ch/message/?lang=de&msg-id=35040